Gelesen

Gelesen: Dr. Nadja Hermann „Fettlogik überwinden“

Wer wie ich schon gefühlt bei einem Blick auf Schokolade zunimmt, hat sich meist schon mal mit dem Thema „Diät“ bzw. „Abnehmen“ beschäftigt. Und meistens kennt man die gängigen Fettnäpfchen. Oder meint zumindest diese zu kennen. Durch Zufall bin ich über das Buch „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann gestolpert. Das Buch hab ich mir recht spontan bei amazon gekauft. Ich wusste nichts von den ganzen Vorschusslorbeeren. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mal die Bewertungen gelesen, sondern nur auf die Gesamtsterne-Anzahl geschaut. Die sah ganz positiv aus und irgendwie war ich, zumindest zu dem Zeitpunkt des Kaufs, motiviert, mal was zu ändern.

Zum Inhalt

Für Dr. Nadja Hermann begann alles mit akuten Knieproblemen. Zu dem Zeitpunkt brachte sie 150 Kilo auf die Waage und ihr wurde klar, dass die Knieschmerzen auch mit ihrem Gewicht zusammenhängen. Da vorherigen Abnehmversuche aber nur bedingt mit Erfolg gekrönt waren, beschloss sie diesmal das Ganze etwas anders anzupacken und fing an zu recherchieren. Denn trotz Psychologiestudium mit einer Abschlussarbeit über Diäten hatte sich bei ihr sehr viel falsches Wissen, sogenannte „Fettlogiken“, angesammelt. Von diesen musste sie nun in Folge der Recherchen einige revidieren. Gemeinsam mit diesem neu gewonnen Wissen änderte sie ihre Ess- und Sportgewohnheiten und nahm ab. Innerhalb von 1,5 Jahren verlor sie auf diese Weise über 85 Kilo.

In ihrem Buch geht es nur kurz um ihre Vita. Der Hauptteil besteht aus den ganzen verschiedenen „Fettlogiken“, die sie über die Zeit gesammelt hat. Diese nimmt sie sich nacheinander vor und hinter- bzw. widerlegt sie mit aktuellen Erkenntnissen. Die Art dieser Logiken ist ganz unterschiedlich und reicht von „Ich esse nur 1000 Kalorien am Tag und nehme nicht ab“ bis hin zu „Jojo-Diäten sind schädlich“.

Mein Fazit

Wie bereits erwähnt, war das Buch ein Spontankauf. Ohne Vorwissen, ohne Erwartungen. Direkt nach dem Kauf blätterte ich etwas lustlos herum und legte das Buch prompt wieder beiseite. Erst ein paar Wochen später fiel mir das Buch wieder ein. Die Fastenzeit stand an und womit lässt sich sowas besser angehen als mit einem Buch, das einem sicher erzählt wie gesund das ist. Also habe ich noch einmal von vorne begonnen – und dieses mal hat es mich komplett gefesselt.

Zum einen ist das Buch wirklich schön locker und witzig geschrieben und lässt sich auch bei den Ausflügen in die Wissenschaft flüssig lesen. Zum anderen waren Nadja Hermans Argumente wirklich nachvollziehbar. Klar, im großen und ganzen ist die Erkenntnis nichts neues: „Man schaufle nicht mehr in sich hinein als man verbrauche“. Und dennoch: ich dachte ernsthaft, ich kenne mich doch ganz gut mit Ernährung aus. Stattdessen fand ich genug solcher „Fettlogiken“ auch bei mir.

Meine persönlichen „Fettlogiken“

Jeden Tag fing ich an, die Ratschläge aus dem Buch umzusetzen. Denn obwohl ich der Meinung war, ja so viel über Ernährung zu wissen, hatte sich da doch einiges an Falschwissen angehäuft. Daher hier meine persönlichen Top-3-Fettlogiken:

1. Abschätzen statt wiegen:

Auch ich habe immer geglaubt, ich wüsste genau wie viele Kalorien ich so zu mir nehme. Stattdessen habe ich oft nur geschätzt, denn wer wiegt denn schon jedes Lebensmittel genau ab? Also fing ich an, mein Essen zu wiegen bzw. abzumessen. Ich installierte Lifesum, eine App zum Kalorienzählen, auf meinem Handy und trackte alles. Und diesmal wirklich alles. Und plötzlich merkt man, dass 1400 Kalorien doch echt wenig sein können. Vor allem meine geliebte Pasta war sehr viel kalorienreicher als ich angenommen hatte.

2. „Hungerstoffwechsel“ mit Jojo-Effekt:

Ebenfalls ein Irrglaube, dem ich lange verfallen war, ist der sogenannte „Hungerstoffwechsel“. In diesen fällt der Körper angeblich, sobald man weniger als X Kalorien am Tag zu sich nimmt (wie viel Kalorien das genau sind, ist je nach Quelle unterschiedlich). Sobald man dann wieder normal isst, würde der Körper zur Sicherheit Notdepots anlegt. Der klassische Jojo-Effekt also. Außerdem würde so der Stoffwechsel nachhaltig gestört werden. Bei vielen Diätversuchen hatte ich daher versucht, nicht unter eine gewisse Kalorienzahl zu fallen. Mich hat dieser Drahtseilakt immer gestört: Ja nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu sich nehmen. Laut dem Buch ist das jedoch völliger Quatsch. Es gibt keinen Hungerstoffwechsel, der Notdepots anlegt oder gar den Stoffwechsel zerstört. Oft handelt es sich bei den vermeintlichen Notdepots um Wassereinlagerungen, zum Beispiel wenn man sehr viele Kohlehydrate zu sich genommen hat.

3. Der böse Stoffwechsel:

Wie oben schon beschrieben, hielt ich mich für jemanden, der Schokolade nur anzusehen braucht, um zuzunehmen. Genauso war mir klar, dass es Leute gibt, die einfach nicht zunehmen. Daher war ich immer neidisch auf solche Menschen mit einem so tollen Stoffwechsel. Mir war zwar klar, dass nicht mein Stoffwechsel, sondern vor allem ich selbst an meinen Pfunden schuld war. Dennoch hielt ich meinen „schlechten Stoffwechsel“ für eine Ursache. Dabei hat der Stoffwechsel laut Dr. Nadja Herman gar nicht so viel damit zu tun. Eher damit, ob man eher ein hippeliger oder gemächlicher Typ ist. Und ob man tendenziell eher einen kleineren oder größeren Appetit hat. Ich habe angefangen, mir die Essgewohnheiten meiner schlanken Freunde genauer anzusehen. Und siehe da, einige sagen zwar, dass sie dauernd und viel essen würden, aber in Wirklichkeit waren die Mengen gar nicht so groß. Das mag jetzt nicht die Riesenerkenntnis sein, aber was mir daran gefällt ist die Aussage: Es sind nicht die Gene, man kann was ändern.

Übrigens, sehr interessant ist auch das Kapitel über heutige und frühere Schönheitsideale. Jeder kennt vermutlich das Bild von Marilyn Monroe am Strand mit dem Hinweis, die gute Frau habe Größe 40/42 getragen. Dabei hatte sie aber nachweislich einen BMI von 19.5 und war damit alles andere als übergewichtig. Da ich das Thema generell sehr spannend finde, plane ich einen eigenen Blogbeitrag hierfür.

Meine Bilanz: 8 Kilo in 6 Wochen

Seitdem ich meine Essgewohnheiten soweit wie möglich von diesen „Fettlogiken“ befreit habe, läuft das Abnehmen – entschuldigt die Phrase – wie geschnitten Brot. Innerhalb der 6-wöchigen Fastenzeit bin ich brav unterhalb meines Grundumsatzes (~1400 Kalorien) geblieben. Zusätzlich habe ich auch auf Süßigkeiten und Alkohol verzichtet. Insgesamt habe ich in der Zeit 8,4 Kilo verloren. Da war natürlich etwas Wasser dabei. Aber auch rein rechnerisch konnte ich jede Woche durch Sport und Kalorieneinschränkung rund 7000 Kalorien einsparen. Das entspricht einem Kilo pro Woche weniger. Richtig gemerkt habe ich es erst, als ich einen neuen Gürtel für meine Hosen brauchte, weil beim alten das letzte Loch nicht mehr reichte. Mittlerweile passe ich wieder in Hosen, die ich zuletzt vor 6 Jahren tragen konnte.

Ich werde auch nicht mehr nervös, wenn die Waage nach oben geht. Ich weiß ja, wie viel ich gegessen habe. Wenn also am nächsten Tag zwei Kilo mehr angezeigt werden, kann es sich ja nur um Wassereinlagerungen handeln. Schließlich habe ich wohl kaum „aus Versehen“ 14.000 Kalorien über meinem Bedarf verzehrt. Das beruhigt und hilft mir, mich trotzdem zu motivieren. Hoffen wir mal, dass ich es bis zu meinem „großen Wunschziel“ entsprechend durchziehe 🙂

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply