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Gelesen: Andrew Michael Hurley „The Loney“

Long time, no see! Mea culpa, mea maxima culpa! Aber statt den üblichen Ausreden, warum und wieso, starte ich lieber gleich mit dem Thema: das Buch „The Loney“ von Andrew M. Hurley. Im Mai waren der Lieblingsmann und ich in Schottland und wie üblich hatte ich am Ende auch ein paar neue Bücher und Graphic Novels im Gepäck. Das Buch „The Loney“ wurde in fast sämtlichen Waterstone’s Filialen groß als „Book of the year“ und als sehr gruselige Horrorgeschichte, die einem auch nach dem Lesen nicht loslassen werde, beworben. Bei so viel Vorschusslorbeeren fiel der Gang zur Kasse nicht schwer.

Zur Story: The Loney, so der Name der dortigen Bevölkerung für einen Küstenabschnitt in Nordengland, ist der regelmäßige Wallfahrtsort einer kleinen Kirchengemeinde. Seit Jahren pilgert die Gruppe während der Fastenzeit dorthin, um dort für die Genesung von Hanny, einen stummen wie geistig zurückgebliebenen Jungen, zu beten. Als 30 Jahre später die sterblichen Überreste eines Babys in the Loney entdeckt werden, erinnert sich Hannys jüngerer Bruder Tonto an diese Fahrten und ins besondere an das letzte Mal, dass diese Reise unternommen wurde. Kurz zuvor hatte die Gemeinde einen neuen Pfarrer bekommen, der zum Missfallen der Gruppe – und vor allem von der Mutter der beiden Jungen – nicht so orthodox in den Glaubensgrundsätzen war wie dessen verstorbener Vorgänger. Während die kleine Gemeinde versucht für sich zu bleiben, treffen die Jungen auf ein schwangeres Mädchen in einem Rollstuhl und die Verstrickungen in eine seltsame Geschichte nehmen ihren Lauf.

Beach by Angelina Odemchuk

Zunächst: Das Buch ist schön geschrieben und liest sich auch auf Englisch sehr flüssig (auch wenn mir manche Wörter wie beispielsweise „cilice“ komplett neu waren, aber das liegt wohl auch an der Thematik). Allerdings war ich am Ende doch etwas enttäuscht und ich denke, das Problem war vor allem meine falsche Erwartungshaltung. Ich hatte eine Schauergeschichte erwartet. Ein Buch, bei dem es mir die meiste Zeit kalt den Rücken runter läuft. Und diese Erwartungen erfüllt das Buch nicht. Oder zumindest nur bedingt. Im Nachhinein hatte ich irgendwo den Vergleich zu Daphne Du Maurier gelesen und im Nachhinein finde ich die Parallele durch aus passend. The Loney ist kein Horrorbuch, denn Horror in dem Sinne gibt es einfach nicht. Vielmehr ist die Stimmung in dem Buch sehr düster und die Ereignisse, an die sich Tonto erinnert, sind teilweise ebenfalls nicht besonders freundlich. Erst ganz zum Schluss wird es mysteriös und, ja, auch ein wenig gruselig. Wer also einen Schauerroman a lá Stephen King erwartet, wird definitiv enttäuscht sein. Wer sich von dieser Erwartungshaltung lösen kann, den erwartet eine durchaus lesenswerte Geschichte über Gemeinschaften und Menschen, die nicht so sind wie sie scheinen.

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