Ein bisschen Alltag

Mein Knie und ich – Teil 6: Die Reha

Am letzten Freitag endete meine teilstationäre Reha (TSR). Ein bisschen werde ich die Zeit schon vermissen, denn viele Kurse haben mir echt Spaß gemacht, v. a. Aquajogging und Nordic Walking. Viele in meinem Umfeld haben gemeint, dass es schon ein ziemlicher "Absturz" von Kickboxen zu Nordic Walking sei. Aber erstens ist ein Sport wie Kickboxen für mich eine ganze Zeit lang nicht machbar – ob mir das nun gefällt oder nicht. Zweitens kann fast jeder Sport anstrengend sein, wenn man sich nur ordentlich reinhängt. Klar, kann man Nordic Walking auch als Euphemismus für Spazierengehen mit Stöcken verwenden. Wer aber dabei nicht ins Schwitzen kommt, ist dann halt selber schuld oder anders gesagt: Kann man schon so machen, wird dann halt kacke. 

Nicht so toll fand ich die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Der Trainer war mir einfach von Beginn an sehr unsympathisch und hat dazu für Neulinge kein Stück erklärt. Ich hätte ein paar einleitende Worte, wie man die Übungen machen soll, ganz gut gefunden. Zumal man ja die ganze Zeit mit geschlossenen Augen herumliegt und eigentlich nicht mal eben beim Nachbarn abschauen kann. Überhaupt hätte der Herr auch eine Audioaufnahme abspielen können. Ich persönlich hatte arge Probleme bei dem ganzen Zeug zu entspannen und wurde eher hippelig denn ruhig. Ich mache momentan freiwillig über die VHS einen Kurs im autogenen Training, welches mir um einiges besser gefällt.Ansonsten stand viel Trainingsraum und Ergometer auf meinem Plan. Dazu Physiotherapie, Gelenkmobilisation, Zirkeltraining und die Quarkpackungen fürs Knie. Einmal gabs auch eine Massage, aber sowas blieb leider die Ausnahme. Aber ich war ja auch nicht zum Urlaub machen da ;). 

Großartig Kontakte hab ich dort nicht geknüpft. Die meisten Patienten in der TSR waren um einiges älter als ich und hatten dementsprechend andere Interessen. Und wie überall gab es Gruppen mit unterschiedlichen Typen. Da gab es den Sitzkreis der älteren Herren, die eine zotige Geschichte nach der nächsten erzählten. Ich nannte sie immer "die Schmarrer" (im süddeutschen Raum ist ein Schmarrer jemand, der dauernd Blödsinn erzählt). Dann gab es die älteren Damen, die "Schmarrer-Groupies", die brav zu jeder Geschichte der Schmarrer mitlachten, damit sie ab und zu ein wenig angeflirtet wurden. Die "Frotzler" waren die, die an allen etwas auszusetzen hatten (die Übungen sind zu schwer/zu leicht, die Erholungsphasen zu kurz/zu lang, das Essen zu wenig/zu viel/zu selten mit ordentlich Butter oder Braten, usw.), während die "Quasselstrippen" unablässig und mit beachtlicher Hartnäckigkeit alles von sich erzählten: angefangen vom Geburtsort bis zur Konsistenz des letzten Stuhlgangs (leider kein Scherz, ein Herr war da sehr… ausführlich in seiner Schilderung). Ich gehörte wohl zu den "Einsiedlern". Denen, die immer alleine rumlaufen, am liebsten in der Cafeteria bei einem Cappucchino Mützen häkelten oder ein Buch lasen. Klingt einsam, ich fand es allerdings eigentlich ganz schön so. Jeder sucht sich halt das, was im gerade am besten tut.

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