Allgemein Ein bisschen Alltag

Random acts of kindness

Wenn man verletzt ist und auf die Hilfe anderer angewiesen ist, merkt man erst, wie viele Vollpfosten es da draußen gibt. Sorry, dass ich das so sagen muss, aber es gibt echt viele Leute die einem zwar interessiert zuschauen wie man sich beim Einkaufen mit Krücken abmüht, sobald es aber darum geht vielleicht mal die Tür aufzuhalten schnell ihr Handy herausziehen, um ja nicht als Ansprechpartner in Betracht gezogen zu werden. Vielen Dank auch.

Kurz nach meiner OP musste ich mit dem Bus zur Physiotherapie. Dabei ließ ein Busfahrer eine älteren Dame und ihrem im Rollstuhl sitzenden Mann die Tür vor der Nase zumachte und davon fuhr. Davor hatte er sich noch tierisch aufgeregt, dass sie vor der Tür stand und nur mit den Händen winkte. Ich rief ihm zu, dass die Dame Hilfe beim Einsteigen bräuchte. Er ignorierte mich. Und ich stand da, vollbepackt mit Tasche und Krücken und war körperlich (noch) nicht in der Lage zu helfen. Die anderen Fahrgäste schauten alle schnell und vermeintlich konzentriert auf ihr Handy und reagierten nicht. Nachdem die Dame an der Bushaltestelle zurückgelassen wurde, war ich die einzige, die Protest einlegte. Keinen interessierte es. Es hätte nur einer der zahlreichen anderen Menschen im Bus mit gesunden Beinen und Armen aufstehen und mit dem Rollstuhl helfen müssen. Nur ein einziger.  

Klar, es gibt immer Licht und Schatten. Und vermutlich meint es keiner wirklich böse, der weniger aufmerksam, weniger freundlich und weniger hilfsbereit sind. Ich bin gerne bereit zu glauben, dass ja jeder sein Päckchen zu tragen hat und der ein oder andere gerade einen „scheiß Tag“ erlebt. Selbstverständlich nehme ich durch meine kurzzeitige Behinderung durch mein operiertes Knie solche Dinge intensiver wahr als andere und die Sicht der Dinge wird durch so etwas schneller zurecht gerückt. Immerhin gibt es Menschen, die tagtäglich auf Hilfsmittel angewiesen sind und die nicht nach ein paar Wochen diese so einfach wieder beiseitelegen können wie ich. Und es gibt auch genug Menschen, die ohne zu zögern ihre Hilfe anbieten: Busfahrer, die warten bis man sitzt, bevor sie losfahren und natürlich auch älteren Damen mit dem Rollstuhl des Mannes helfen würden, andere Fahrgäste, die ihren Platz selbstlos anbieten, Passanten, die einem bei schweren Eingangstüren helfen, usw.

Nein, ich möchte nicht jammern. Ich möchte mich hiermit vor allem selber daran erinnern, dass ich, auch wenn die Zeit nach der OP bereits vergessen ist, jeden Tag daran denke, dass andere Menschen vielleicht meine Hilfe brauchen. Und dass man durch ein bisschen Nettigkeit einen beschissenen Tag für jeden etwas besser machen kann. 

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